Konflikte enthalten Innovationspotenzial!

Konflikte enthalten Innovationspotenzial – das sollten wir nicht ungenutzt verstreichen lassen!

Magie des Konflikts: Warum ihn jeder braucht und wie er uns weiterbringt von Reinhard K. Sprenger

Die in Konflikten zum Ausdruck gebrachten Spannungen sind unangenehm. Wir wollen das Erleben dieser Spannungen vermeiden oder zumindest reduzieren. In der Unternehmensberatung ergibt sich ein Teil unserer Aufträge aus dieser Grundsituation. Das Ziel lautet dann häufig Teamentwicklung oder Konfliktmoderation.

Reinhard K. Sprenger wirft einen ausführlichen Blick auf das Innovationspotenzial, das in jedem Konflikt schlummert. Da Konflikte uns weiterbringen, haben sie für ihn etwas Magisches.

Die Einstellung zu Konflikten positiv verändern: Konflikte als Innovationspotenzial

Im Rahmen eines Lehrauftrages zur Konfliktmoderation vermittle ich Techniken zur Konfliktreflexion und Konfliktlösung. Das Harvard-Verhandlungsprinzip ist dazu ein bewährtes Vorgehen. Sprenger ist mit diesem Buch im Vorfeld der konkreten Konfliktlösung tätig. Ihm geht es darum, Konflikte als normales Phänomen zu betrachten. Sie tauchen aufgrund von Beziehungsdynamiken sowohl auf Psycho-sozialer Ebene (d.h. zwischen Personen) als auch auf systemisch-sozialer (d.h. innerhalb von Organisationen) auf. Und sie sind auch nicht vermeidbar, da es immer Erwartungsdifferenzen auf persönlicher Ebene und Spannungen zwischen (Teil-)Zielen in Organisationen geben wird. Deshalb ist nicht das Beilegen des Konflikts die Kunst, sondern das dieser natürlichen Spannung auf den Grund gehen und das dieser Spannung zugrundeliegende Innovationspotenzial zu schöpfen.

Mehrdeutigkeit aushalten

Sprenger umschreitet im ersten Kapitel das Phänomen Konflikte. Für ihn geben sie uns die „Gelegenheit, heranzureifen und uns zu stärken. Deshalb gilt: An die Ränder gehen, Konflikte verstehen und vernünftig handhaben, ist das A und O eines gelingenden Lebens“ (S. 22). Er ist skeptisch, dass ein Verstehen anderer Personen in der Tiefe möglich ist. Somit gelangt er im zweiten Kapitel konsequenterweise zum Thema „Mehrdeutigkeit“. Da sich Situationen nie eindeutig beschreiben lassen, ist das Ziel, diese Mehrdeutigkeit auszuhalten. Er zitiert dazu seinen Philosophie-Professor: „Wir irren uns voran“ und bezeichnet diese Grundeinstellung als einen der humansten Sätze, die er je gehört hat. Die Metakompetenz, die hier gefordert ist, ist das „UND“. Also Dinge bewusst offenzulassen. Die römische Kurie besitzt dafür sogar eine Formel: „Nihil esse respondendum“. Übersetzt: „Es soll keine Antwort gegeben werden“, zu mindestens nicht jetzt.

Konflikte enthalten Innovationspotenzial

Konflikte als Erwartungsdifferenzen, die leider allzu häufig personalisiert werden

Im dritten Kapitel beschreibt Sprenger die Psycho-soziale Ebene von Konflikten, die ihren Ausgangspunkt in Erwartungsdifferenzen haben. Hier gilt es miteinander, statt übereinander zu reden; die eigene Rolle in diesem Ringen um die „richtige“ Erwartung zu reflektieren und sich zu überlegen, wie intensiv ich mich in einen Konflikt involvieren möchte. Für das Konfliktgespräch schlägt er sieben Klärungen (S. 218-233) vor, die für die Reflexion und Vorbereitung eines Konfliktgespräches wertvoll sein können.

In Organisationen handeln Menschen, deshalb werden häufig Konflikte personalisiert. Nach Sprenger empfiehlt es sich im organisationalen Kontext, den Blick auf die Zieldimensionen der Organisation und inhärente strukturelle Konflikte zu sensibilisieren. Damit kann der fest schreibenden Personalisierung von Konflikten entgegengewirkt werden und der Blick so Richtung Innovationspotenzial gerichtet werden.

Führung bedeutet mit Widersprüchen umgehen und dieses Spannungsfeld gestalten

Für Sprenger wäre Führung ohne Widersprüche überflüssig. „Führungskräfte leben von der Weggabelung, vom Dilemma, von der Bedrohung“ (S. 272). Für ihn geht es um zukunftsfrohes streiten. Seine Überzeugung: „Nehmen Sie Abschied von der Eindeutigkeit!“ … Werben Sie vielmehr dafür, dass da nichts ´in Stein gemeißelt´ ist. Dass die verschiedenen Rationalität des Unternehmens einander brauchen (S. 296). Seine These: „Konfliktfähig – das ist es, was eine Führungskraft zukünftig sein wird. Oder sie wird nicht sein“ (S. 297).

Konflikte als Integrationsvehikel

Auf den letzten Seiten bringt es Sprenger auf den Punkt: Wir müssen die Unlösbarkeit von Konflikten anerkennen. Deshalb ist es so wichtig, Konflikte gut zu organisieren und vorurteilsfrei zu handhaben. Gelingt dies, dann können sie eine wesentliche Rolle als Integrationsvehikel spielen. Doch dazu gilt es eines anzuerkennen: Die Welt ist mehrdeutig!

Meinen Studierenden werde ich das Buch als Einführungslektüre in das Thema Konfliktmanagement empfehlen, auch wenn es manchen zu umfangreich sein mag. Mir gefallen die Exkurse sehr gut.

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